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Da wird gehechelt wie im richtigen Leben
Theatergruppe Doredräwer spielt neues Stück von Martina Klärle / Karten ab Montag

Von unserem Redaktionsmitglied Arno Boas

Schäftersheim. Liebelei bis zum Abwinken, Verwechslungen am Fließband, grassierendes Hochzeitsfieber oder wüste Beschimpfungsorgien: die beim breiten Publikum Erfolg versprechenden Zutaten für ein traditionelles Bauern-Theaterstück sind überall die gleichen und werden von vielen Autoren gerne benutzt. Einen ganz anderen Weg wählt dagegen Martina Klärle aus Schäftersheim: ihr zweites Theaterstück handelt von Geburt und Schwangerschaft. Damit wagt sich die 39-Jährige an ein Thema, das bisher für Laienbühnen ein Tabu war. Uraufführung der Tragi-Komödie "Unter anderen Umständen" ist am Donnerstag, 8. März, passend zum Weltfrauentag.

Schon mit ihrer ersten abendfüllenden Komödie "Bis dass der Tod euch scheidet" (1998) hatte die Hobby-Schriftstellerin die gängigen Trampelpfade des ländlichen Laientheaters verlassen und über einen Zeitraum von 25 Jahren die Beziehung zweier Menschen nachgezeichnet: von der Hochzeitsnacht bis zum 50. Geburtstag des notorisch fremd gehenden Ehemannes. Das atypische Theaterstück wurde ein voller Erfolg - und an den möchte Martina Klärle auch mit ihrem neuen Stück anknüpfen. Sie hofft, dass ihr Mut und der Mut der Theatergruppe wieder belohnt werden. "Ich habe viele lustige Szenen reingepackt," sagt die bald zweifache Mutter, "es ist eine Sammlung von Themen, die in der Schwangerschaft eine Rolle spielen." Da geht's dann auch mal in der Wortwahl direkt zu - was in der Gruppe durchaus Anlass zu Diskussionen gab. "Da habe ich gemerkt, dass die Themen Schwangerschaft und Geburt immer noch mit einem Tabu belegt sind - es wird nicht offen darüber gesprochen," hat die 39-Jährige festgestellt. Dabei sei das Ganze doch ein "natürliches, erfreuliches Thema". Sie möchte mit ihrem Stück auch eine Diskussion über diese Tabu-Zonen in Gang setzen, denn "eine Geburt ist die höchste Würde für die Frau".

Weil die Besucher "nicht so gerne schwere Kost anschauen", legt Martina Klärle Wert auf humorvolle Dialoge, ohne dabei aber den ernsten Hintergrund aus dem Blickwinkel zu verlieren. Man darf zum Beispiel darauf gespannt sein, wenn auf der Bühne der Blick frei wird auf einen Geburtsvorbereitungskurs, wo gehechelt wird wie im wahren Leben. Weil von den Spielern noch nicht jeder einen solchen Kurs erlebt hat, ist der Besuch eines solchen schon vorgesehen . . .

Zwei schwangere Frauen sind die zentralen Figuren des Stückes. Die eine davon wird einfach nicht schwanger, egal, was sie auch ausprobiert. Die Autorin hat sich eingehend über künstliche Befruchtung informiert, nimmt in ihrem Stück auch zu diesem Thema kein Blatt vor den Mund, musste aber auch erkennen, dass ihre Detailverliebtheit nicht nur auf Gegenliebe stieß. Regisseur Christian Laubert, der erstmals in Schäftersheim für die Inszenierung verantwortlich ist, hat an manchen Stellen den Text gekürzt. Eine recht schmerzliche Erfahrung für jeden Autor.

Natürlich spielt in dem Stück auch die Vereinbarkeit von Kind und Karriere eine Rolle. Ein Thema, bei dem Martina Klärle mitreden kann wie kaum eine andere. Denn als Inhaberin eines Ingenieurbüros hat sie ungewohnte Wege beschritten, wie ihre Mitarbeiterinnen Beruf und Mutterschaft so miteinander vereinbaren können, dass beides möglich ist. So gehört zum Büro beispielsweise auch ein Spielzimmer für die Kinder der Mitarbeiterinnen, die dieses Angebot sehr zu schätzen wissen. Die Produktivität leidet durch die Anwesenheit der Kleinen nicht, eher das Gegenteil ist der Fall. Dass sie für dieses Konzept nun auch noch im Rahmen des Wettbewerbes "Land der Ideen" ausgezeichnet wird, sieht Martina Klärle mit einem lachenden und weinenden Auge: sie freut sich sehr über die Auszeichnung, aber sie sagt auch: "Eigentlich sollte so etwas selbstverständlich sein".

Dass Kind und Karriere aber in der Praxis eben doch oft nicht miteinander zu verknüpfen sind, das bekommt auch eine zentrale Figur des Theaterstücks zu spüren. Die Frau bekommt den erhofften Job nicht, weil sie schwanger ist. "Das ist die tragische Seite des Plots," so die Autorin.

"Unter anderen Umständen" braucht 18 Darsteller, eine ganze Menge für eine Laienbühne. Aber die Schäftersheimer sind ein theaterbegeistertes Volk, so dass letztlich alle Rollen besetzt werden konnten. Seit Anfang Januar laufen die Proben zu dem ungewöhnlichen Projekt. Auch das Bühnenbild wird sich von früheren unterscheiden. Es gibt kaum Requisiten, die Spieler tragen die Haupt"last". Christian Laubert arbeitet intensiv an den Charakteren. Er ist ein erfahrener Theatermann, hat sich unter anderem einen Namen gemacht als Autor und Regisseur des Open-Air-Theaters im Freilandmuseum Bad Windsheim.

Schon als Kind hat Martina Klärle gerne Geschichten erfunden. Trotzdem sei "Deutsch mein Horrorfach" gewesen - hauptsächlich wegen der Grammatik. Dagegen habe sie Mathematik "geliebt". Sie hat auch heute noch großen Spaß daran, "Formeln durchzurechnen und meine Studenten zu verblüffen". Denn Martina Klärle hat eine Professur für Geoinformatik an der Fachhochschule Osnabrück und ist als Raumplanerin inzwischen landesweit eine gefragte Kapazität. Das Dorfentwicklungsprogramm im Creglinger Stadtteil Münster ("Melap") etwas stammt von ihr und ihren Mitarbeiterinnen. Inzwischen hat das Ingenieur-Büro Klärle rund 20 solcher oder ähnlicher Konzepte entworfen. Dabei immer im Mittelpunkt: das Bestreben, den Dorfkern vor dem Ausbluten zu bewahren, für leer stehende Gebäude eine sinnvolle neue Nutzung zu finden.

Die Studenten an der FH Osnabrück dürften aber nicht nur über Martina Klärles ausgeprägte Begabung für Formeln staunen: genauso verblüfft würden sie wohl die schriftstellerische Ader ihrer Professorin zur Kenntnis nehmen.

Wer das neue Stück von Martina Klärle sehen möchte, hat dazu ab 8. März an insgesamt sieben Abenden in der Bauernhalle (Beginn 20 Uhr) die Gelegenheit. Karten gibt es ab kommenden Montag bei der Volksbank Schäftersheim, bei Petras Haarstudio in Schäftersheim und bei "Buch und Papier" in Weikersheim.

 

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