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"Unter anderen Umständen" ist nicht nur für Frauen
Martina Klärles Theaterstück ist bissig und amüsant

Schäftersheim. Premiere ist am Internationalen Frauentag. Das passt perfekt, denn Martina Klärles Stück "Unter anderen Umständen" behandelt schlechthin das zentrale Frauenthema: Schwangerschaft und Geburt - und das drumrum. Köstlich und ohne jede Larmoyanz nimmt die Autorin - die Schäftersheimer Ingenieurin entwickelte das Stück in ihrer ersten Schwangerschaft, jetzt, in der zweiten, entstanden die Roman- und die Dialogfassung - die Sache unter die Lupe.

Mit spitzer Feder spießt sie auf, was sich so abspielt. Das ist nicht ohne, denn die Autorin schaut hinter die Kulissen in der Frauenarztpraxis, bei der Weikersheimer Kärwe, natürlich auch in den heimischen Wohnzimmern. Sie lässt natürlich auch die Sache mit Kind und Karriere nicht außen vor, schon gar nicht Schwangerschaftsgymnastik und Geburt. Köstliche Szenen sind ihr dabei ins Schreibernetz gegangen - und Tragik auch, wahrlich genug, um die Bezeichnung Tragikomödie für "Unter anderen Umständen" zu rechfertigen.

Zwei Frauen stehen im Mittelpunkt: Carola, die Frau, die auch im Job ihren Mann stehen will (Sandra Kaulbersch), und Conny, die junge Draufgängerin, die - schwanger nicht aus wirklich freiem Willen - plötzlich gar nicht mehr so locker drauf ist (Catharina Ehrmann). Die eine will, die andre will um keinen Preis ihr Kind. Derselbe Frauenarzt - Dr. Adeck im Stück, gespielt vom Doredräwer-Neuzugang Klaus Richter - ist für die beiden Frauen der Halbgott in Weiß. Er schlägt sich nicht nur mit den Problemen der Frauen herum, sondern wird dabei immer wieder gestört von Egon Euler (Philipp Schmitt), dem quirligen Handelsvertreter der Firma Mutterglück-Tauber, die medizinische Geräte und Produkte herstellt und natürlich verkaufen will.

Zwei Frauen, zwei Partner: zu Carola gehört John (Andreas Fischer-Klärle), der die Ruhe weg hat, sich nicht gerade lustvoll, aber dauerhaft durch die TV-Programme zappt und sogar den Frauenarzttermin in Kauf nimmt. Conny kommt nicht um "Latte" Helmut Stark (Markus Lang) herum, der nichts von Abstand halten hält, wenn irgend Weibliches in seiner Nähe ist - und er genügend intus hat. Das geht schnell bei der Kärwe, ob es nun die in Weikersheim oder andernorts.

So etwas auf die Bühne zu stellen, das sorgte anfangs auch bei den Doredräwern, die eigentlich nicht sonderlich von Berührungsängsten geplagt sind, wenn es um heiße Eisen geht, für einige Unruhe. Ein Schwangerschaftskurs - auf der Bühne? Und gar eine Geburt? Mein Gott!

Mit dem Heidelberger Regisseur, Dramaturg und Theaterpädagogen Christian Laubert haben die Doredräwer einen Regisseur gefunden, der auch Heikles mit Humor nimmt, auf den sich die Truppe voll verlassen kann. Theologie und Theaterwissenschaften, Geschichte, Germanistik und Pädagogik hat Laubert studiert, sich als Autor von Kurzgeschichten und Theaterstücken in deutscher, englischer und französischer Sprache bewährt, im Inland und in den USA, Frankreich als Regisseur und Theaterpädagoge gearbeitet. Fürs baden-württembergische Kultursministerium ist Laubert in der Lehrerausbildung im Bereich Theater zuständig.

Die Entscheidung fürs karge Bühnenbild - drei schwarze Stühle vor schwarzer, mit heller Gaze abgehängter Bühne reichen aus, um alle Räume zu möblieren, die irgend Möbel brauchen - entwickelte Laubert gemeinsam mit der Dramaturgin Stefanie Schnitzler und der Schäftersheimer Theatercrew. Der Rest ist Spiel mit Imagination: wenn etwa Euler von Mutterglück-Tauber dem vermeintlichen Arzt das neue Beckenboden-Massageöl vorführt, sind nicht Probenkoffer und Pröbchen, sondern auch der Arztschreibtisch, eigentlich das ganze Sprechzimmer reine Vorstellung.

Geht das? Das geht, wenn man mit Leuten wie Laubert und Schnitler arbeitet. Der Dramaturgin Stefanie Schnitzler liegt Theater sozusagen im Blut. Kein Wunder: ihr Vater ist Regisseur, ihre Mutter Kostümmalerin. Mehrere Jahre war die Literaturwissenschaftlerin als Dramaturgin fürs Heidelberger Kinder- und Jugendtheater "am zwinger 3" und für "Schnawwl", das Mannheimer Kinder- und Jugendtheater tätig. Als Vorsitzende der Jury für den Baden-Württembergischen Jugendtheaterpreis weiß die Dramaturgin, wie auch Darsteller von Amateurbühnen mit heißen Eisen umgehen können.

Die häufig pantomimische Darstellung - am Kärwetresen gibt es keine Humpen, in der Arztpraxis keine Ausstattung, im Wohnzimmer von Carola und John Williams natürlich auch kein materiell vorhandenes Fernsehgerät - verlangt den Darstellern einiges ab. Schließlich sollen die Zuschauer die Dinge, mit denen die Akteure hantieren, sehen, wenn auch nur vorm inneren Auge. Das werden sie auch, zumindest, wenn die Crew auch bei der Premiere hält, was bei den Proben äußerst vielversprechend rüberkommt.

Viel verlangt wird auch von den Neuen in der Doredräwer-Crew: Sarah Klärle und Luisa Immel sind frisch eingestiegen und gleich in harten Szenenbrocken ganz vorn dabei. Überhaupt: auch wenn das Stück reichlich Gelegenheit zur Heiterkeit gibt - Regisseur und Dramaturgin drehen die Textvorlage stellenweise so köstlich ins Bild, dass sich selbst die Autorin halb schief lacht: manche Szene wird gewaltig unter die Haut gehen.

Wer sich noch Plätze für die Premiere sichern will, der muss sich nicht nur sputen, sondern sich auch ein bisschen aufs Glück verlassen, denn eigentlich ist schon fast alles ausverkauft. Zum Trost: Gespielt wird auch am Freitag und am Samstag, 9. und 10. März, am Wochenende vom 16. bis zum 19 März und am 23. März - immer in der Bauernhalle Schäftersheim. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20 Uhr.

Besucher können sich ab acht Personen an den beiden Bonustagen (Freitag, 9. März, und Sonntag, 18. März) als Gruppe zum Aufführungsbesuch anmelden. Für Schwangere gibt es bei allen Vorstellungen pro Schwangerschaftsmonat einen Euro Nachlass. ibra

 

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